Geschätzte Leserinnen und Leser,

Natürlich gehört schon bei der Geburt ein wenig Glück dazu. Nicht jeder wird mit einem sorgenfreien Leben gesegnet. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: die wenigsten. Für meinen Teil kann ich sagen: Ich hatte Glück.

Sieben Mann und eine Kiste Bier

Stellen Sie sich vor, mit etwas Pech wäre ich kein Pony geworden. Nein, ich wäre vielleicht ein Spiess. Oder, noch schlimmer: ein Cardinal. Nein, ich kann wirklich von Glück reden, dass die fleissigen Brauer aus mir im Jahr 1956 ein Pony machten. Ein doppelt gehopftes, überraschend herbes und dennoch wunderbar erfrischendes Bier.

Meine ersten zehn Lebensjahre waren eher trist und langweilig. Doch im Oktober ’66 kaufte mich ein junger Mann und brachte mich nach Weggis. Ein schönes, ruhiges Dorf, wie es mir schien. Er trug mich in ein Nauenlokal am Vierwaldstättersee. Und dort standen sie: sieben Männer und ich. Sozusagen „Sieben Mann und eine Kiste Bier“.

Natürlich war mir in diesem Moment die Geschichtsträchtigkeit nicht bewusst, ihnen übrigens auch nicht. Ich lauschte und beobachtete gespannt. Die sieben Männer diskutierten, plagierten, fantasierten über dies und das und so manches mehr. Doch irgendwann an diesem Abend wurde aus dem Herumspinnen Ernst. Eine Guggenmusik sollte es werden. Wie man sie in Luzern kennt. Der Name? Tschimm-Bumm-Band.

Ehe ich mich versah, machte der Mond der Sonne wieder Platz, und ein neuer Tag erwachte. Ich öffnete meine Augen und fand mich erneut im Nauenlokal wieder. Meine Augen waren noch etwas verklebt, ich fühlte mich leer, und auch mein Kopf dröhnte ein wenig. Langsam versuchte ich, mir das Erlebte vom Vorabend in Erinnerung zu rufen. Die „Glorreichen Sieben“ gründeten unter der verdankenswerten Mithilfe einer Kiste Bier am 8. Oktober 1966 im „Hüttli“ des Weggiser Nauen Max die „Weggiser Guggenmusik“.

60 Jahre Eglichutzler

Wie ich in den folgenden Jahren feststellen durfte, war es nicht irgendeine Guggenmusik. Nein! Ich wohnte der Gründung der Guggenmusig Eglichutzler Weggis bei. Ein Moment, der mein Leben nachhaltig verändern sollte. Mein Leben und das vieler junger und junggebliebener Männer.

Wenn ich an diesen Moment zurückdenke, werde ich beinahe sentimental. 60 Jahre sind das nun her. 60 Jahre! Geschätzte Leserinnen und Leser, stellen Sie sich das einmal vor. Vieles habe ich mit den Eglichutzlern erleben dürfen.

Gerne schwelge ich in Erinnerungen. Wobei ich zugeben muss, dass ich in den letzten Jahren ab und an auch etwas beunruhigt war. Dass unser aktueller Tambourmajor kein grosser Bierfan ist, ist ja allgemein bekannt. Aber für meinen Geschmack greifen auch andere Eglis viel zu oft zum Weisswein, Smirnoff oder zu diesem orangen Trendgetränk, das ungefähr so schmeckt, als hätte ein Orangensaft einen Nervenzusammenbruch in einem Proseccoglas. Aber ich will mich jetzt nicht reinsteigern. Bei der grossen Mehrheit der Eglis bin ich immer noch Getränk Nummer 1 und darauf bin ich besonders stolz, wenn ich auf die letzten 60 Jahre zurückblicke.

Von Probe Sonntagen und Geburtstäfeli

Obwohl ich mir manchmal Ohrenschützer wünschte, denke ich gerne an die Sonntagabende zurück, an denen die Eglis probten. Oder an Bastelabende, bei denen mit viel Kreativität und mit meiner Unterstützung so manches Legendäre entstand. Mir kommt etwa der 10-Jahre-Jubiläums-Grind aus 20’000 Korkzapfen in den Sinn.

Auch beim Plakettengiessen bin ich gerne mit dabei, beim Stoff-Zuschneiden, beim Hallenbilder-Malen, beim Egliball-Aufstellen und natürlich auch beim Aufräumen. Bei diversen Sitzungen, sei es vom Vorstand, der Musikkommission oder vom Sujetteam, sitze ich gerne mit am Tisch und spreche immer auch ein Wörtchen mit. Meine liebste Sitzung ist jedoch die jährliche Revisorensitzung mit Oski und Manuel.

Was in einem Egli-Jahr natürlich nicht fehlen darf, sind die vielen kleinen und grossen Apéros und Festlichkeiten: am Grüschapéro, beim Eglidoppel, beim Aufstellen von Geburtstäfeli, beim jährlichen Trompetengrill, beim Paukengrill und natürlich bei den beliebten Auftritten an Hochzeiten. Überallhin begleite ich die Eglichutzler und bin ein Teil von ihnen.

In den letzten sechs Dekaden ging ich mit ihnen durch Höhen und Tiefen. Ich sah, wie tiefe Freundschaften entstanden und wie man von manchen leider für immer Abschied nehmen musste. Ich erlebte Geschichten, mit denen man ein ganzes Buch füllen könnte. Und genau das haben sie getan.

Jubiläumsbuch „60 Jahre Eglichutzler”

In unzähligen Stunden Arbeit entstand ein Buch über die Guggenmusig Eglichutzler Weggis, nicht geschniegelt, sondern roh, ehrlich, laut und warmherzig. Man spürt den Kleister, die Beizen, die kalten Morgenstunden an der Tagwache, den Schweiss unter dem Grind und den Stolz, Teil von etwas zu sein, das grösser ist als man selbst. Offiziell zählen sie in ihrem Jubiläumsjahr 50 Mitglieder. Ich würde mich aber noch dazuzählen, so käme man sogar auf 51! Rekord!

An dieser Stelle möchte ich die Aufmerksamkeit nutzen, um sämtlichen Gönnern, Partnerinnen, Müttern, Fans, Helfern, Groupies, Vollmasken, Pony-Spendierern, Kritikern und allen anderen Danke zu sagen, welche die Eglichutzler und mich in den letzten 60 Jahren begleitet haben. Ohne euch wäre die Fasnacht nicht dieselbe und gar nicht möglich.

Im Namen aller Eglichutzler: Herzlichen Dank!

Ich freue mich schon rüüdig auf die kommende Fasnacht. Es wird ein royales Jahr, das ist gewiss. Am 10. Januar starten wir, an der Fasnachtseröffnung, in unsere Jubiläums-Saison. Am 7. Februar findet der grundsteinlegende Egliball unter dem Motto: “Königliches aus aller Welt” statt. Der Eintritt für alle Vollmasken ist bis 22.00 Uhr gratis und sie dürfen sich auf fürstliche Preise freuen. Anschliessend gipfelt die Fasnacht am 12. Februar mit unserem Jubiläumsabend, bei dem es, so viel sei verraten, zu einer Hochzeit kommt.

Und wer jetzt bei der einen oder anderen Anekdote in meiner Erzählung “gwunderig” geworden ist, dem empfehle ich das Jubiläumsbuch „60 Jahre Eglichutzler“, gespickt mit lustigen Anekdoten, spannenden Interviews und noch nie veröffentlichtem Bildmaterial. Bestellen können Sie es es hier, dann erhalten Sie Ihr Exemplar pünktlich zum Fasnachtsstart. Achtung, wir haben aus dem CD-Verkauf gelernt, daher ist die Auflage limitiert.

In diesem Sinne: Lassen wir die Kronkorken knallen!

Hudschibibera Hudschiba
Im Namen eurer Eglichutzler

Eichhof B. Pony