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Schau ins Fenster, statt ins Glas…

Es war einmal eine Guggenmusik, die reiste umher im ganzen Land. Vom bekannten Churer Sechseläuten-Kreisel bis hin zum mehr als grenz(wert)übergreifenden Umzug in Rheinfelden: Überall waren sie zu sehen, egal welsche Sprache dort gesprochen wurde oder wie viele Plaza de Centrale es gab. Sie begeisterten jährlich tausende von Fasnachtshudis und -shipis in der ganzen Schweiz mit ihrem höchstsympathischen Auftreten und dem bekannten „Mehr-oder-weniger-auf-Links-Schritt“ an den strengen Umzügen.

Seit nun mehr als 55 Jahren spielten, theäterlten, flirteten, läferten, trinkgelderten und filzstifteten sie sich in die Herzen der Zuschauer und sind mit 47 Mitgliedern (dank der erfolgreichen „Laichziit“-Nachwehen) so viele, wie noch niemals zuvor in ihrer Vereinsgeschichte. Demographisch breit abgestützt („da heds alls“) zeigten sie Jahr für Jahr, dass Alter nur eine Zahl ist. Von etwas über 60 Lenzen bis hin zu den jüngsten Zwergen, die knapp einmal losfahren.ch dürfen, findet sich für jeden und jede etwas in ihrem Repertoire.

Es gab einige Ereignisse, welche sich Jahr für Jahr wiederholten, ihnen deshalb aber nicht weniger am Herzen lagen: Am Chilbisonntag, mit einem bis zum Eich(hof)strich gefüllten Durstempfinden, sattelte man die bissigen Ponys und blies zum Probestart.

Bald darauf fanden sich die überaus motivierten Männer auf der Rigi wieder, wo man im Berggasthaus Unterstetten zum Probeweekend rief. Der Festschmaus, der ihnen Jahr für Jahr serviert wurde, fiel mit der Wirtschaftskrise nicht kleiner aus. Bei Jass und Brändi Dog wurden selbst die ungehobeltsten Edelsteine zu glänzenden Diamanten poliert. Diesen Schliff sah und hörte man der Mannschaft in den folgenden Tagen merklich an.

Der letzte wiederkehrende Höhepunkt war ihr eigener Maskenball, welcher traditionellerweise vor dem Schmutzigen Donnerstag stattfand. Die Hallendekoration versetzte die Besucher und angereisten Musikgruppen in regelrechtes Staunen und wurde nur noch durch ihren Auftritt um 00.30 Uhr übertroffen. Naja, meistens auf jeden Fall…

Doch dieses Jahr wiederholt sich die Geschichte nicht. Aufgrund eines kleinen gekrönten Monsters bleiben die wackeren Mannen zuhause. Nichtsdestotrotz bringen sie ihren Superbody fürs nächste Jahr ihn Form: Da ein Nachhol-Jubiläumsanlass bevorsteht, wird in mehr oder weniger sämtlichen Disziplinen fleissig geübt. Am 28.02.2022 zeigen sie, welche neuen Talente in ihnen herangereift sind. Seien auch sie dabei, wenn es heisst: Ready, down, set, hut!

Alles bleibt dieses Jahr nicht ruhig: Ein Anruf genügt und einige furchtlose Mitglieder machen sich an die Planung eines fulminanten Ersatzes für ihre Lieblings-Jahreszeit: Ein Schaufenster, welches ebenso erotisch wie ein niederländisches, so wertvoll wie die buchersche Uhrenauslage und so abwechslungsreich wie die Videos der Fasnachtschallenge ist. Der Reiz der Auslage kommt erst in der Abenddämmerung richtig zur Geltung, wenn die Plaketten leuchten und die Grinde perfekt in Szene gesetzt werden. Planen Sie ihren Besuch an der Seestrasse 15 in Weggis also nach dem Feierabend ein. Sie werden es uns danken!

Apropos danken: Ohne Hans „Bill“ Schweizer hätte die Ausstellung nicht die Qualität, in welcher sie nun sorgsam drapiert vor Ihnen liegt. Seine langjährige Expertise zeigt sich in diesem Stück Weggiser Fasnachtsgeschichte und ihm gebührt unser höchster Dank! Nicht zu vergessen ist Nicole Kron, welche uns den Platz zur Verfügung stellt. Auch an dich ein grosses Dankeschön!

Hudschibibra Hudschiba

Eglichutzler Weggis 1966

P.S.: Falls Sie einen schluchzenden Mann vor dem Schaufenster finden, ist es wahrscheinlich eines unserer Mitglieder. Bitte locken Sie ihn mit einem kalten Bier und der Aussicht auf ein zweites davon weg und bringen ihn nach Hause. Der Fasnachtsvirus kann eben sogar durch Glas ansteckend sein!