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Aus dem Nähkästchen geplaudert – Die Eglichutzler werden 50

Natürlich gibt es an einem 50. Geburtstag viele Anekdoten aus dem Leben des Jubilaren zu erzählen, dies ist nicht anders, wenn eine Guggenmusik ein halbes Jahrhundert auf ihrem Buckel trägt. Nebst dem (Vor-) fasnächtlichen Alltag, welcher hauptsächlich aus Basteln, Proben, diversen Auftritten, Umzügen und Ballbesuchen besteht, gibt es immer wieder Highlights, welche aus diesem Alltag herausstechen. Aus diesen speziellen Momenten entstehen Geschichten, die man sich später noch oft erzählt – sie werden zu Mythen und bilden dann in ihrer Gesamtheit das kollektive Gedächtnis der Guggenmusik Eglichutzler zu welchem jeder, der einst Mitglied war, seinen ganz eigenen Teil beigetragen hat. Nebst den „Highlights“ gibt es aber auch Erlebnisse, auf welche man gut und gerne verzichten könnte und Momente der Trauer, wenn etwa ein Mitglied aus dem Leben gerissen wird. In solchen Zeiten gilt es zusammenzustehen und für einander da zu sein. Auch dies gehört zum Vereinsleben und schweißt die Gemeinschaft noch stärker zusammen. Einige wenige Anekdoten sollen an dieser Stelle verraten werden.

Von Hammer-Auftritten und Grottengebläse

Der wichtigste Auftritt des Jahres, ist wohl derjenige am Egliball. Wenn der Tambi pfeift und lauthals schreit: „Gabrieeeel – zweiiiii, drei!“ läuft es jedem Eglichutzler kalt den Rücken runter. Mit „Gabriel“ ist der typische Egli-Rhythmus gemeint, welcher einst durch Thomas „Moschtli“ Bättig nach einem Konzertbesuch bei Musiklegende Peter Gabriel für die Eglis adaptiert wurde. Doch die hohen Erwartungshaltungen werden nicht immer erfüllt und so passierte es auch schon, dass wir nach drei Stücken wieder aus der Halle marschiert sind. Viele Jahre lang, galt der legendäre Auftritt im Monsejour-Küssnacht als der beste Egli-Gig aller Zeiten. Es war Mitte der 90er Jahre unter dem Tambourmajor Schämpel Bättig, als wir es schafften, die Halle so richtig zum Beben zu bringen und die Bläser trotz aufgeplatzter Lippen überglücklich von der Bühne stiegen.

Die Eglis und Luzern

Eigentlich spielen die Eglis nicht in Luzern, da wir seit jeher der Auffassung sind, dass es dort genügend einheimische Musiken gibt und es uns nicht auch noch braucht. So ist die Stadt für uns – ausser wir haben eine Einladung einer Musik oder Gesellschaft – eigentlich tabu. Als wir aber im Jubiläumsjahr 2005 auf der sonntäglichen Rückfahrt von einem Umzug im Car durch Luzern fuhren, kam plötzlich die Idee auf, ein Konzert auf der Rathaustreppe zu spielen. Wohlwissend, dass der Sonntag eigentlich ein fasnächtlicher Ruhetag darstellt und das Spielen verboten ist, haben wir uns auf der legendären Treppe aufgestellt und voller Inbrunst ein Stück zum Besten gegeben. Die einzigen Zuschauer waren zwei Polizisten, welche artig das Ende des Stücks abwarteten und uns dann freundlich zum Aufhören aufgefordert haben.

Umzugsleiden

Pro Jahr bestreiten wir landauf – landab rund fünf bis sechs Umzüge. Dabei spielt es für die Motivation natürlich eine grosse Rolle, unter welchen Umständen so ein Umzug stattfindet. So möchte man immer bei strahlendem Sonnenschein vor dicht gedrängten Reihen applaudierender Zuschauer marschieren – die Realität indes sieht oftmals etwas anders aus. Fürwahr, Tiefpunkte gab es einige. Etwa, als wir in Schattdorf vor leergefegten Trottoirs bei tiefen Minustemperaturen 7 Km gegen einen heftigen Schneesturm marschiert sind oder als Petrus in Buochs die Schleusen öffnete, bis sich der Fischkleister auf unseren Grinden löste und die wassergetränkten Kleider abzufärben begannen. Wenn dann nach gefühlten 200 Stunden Marsch noch ein aufgeplatztes Schweinswürstchen ohne Senf, dafür mit ausgetrocknetem Mutschli inklusive 3dl Mineral auf die Eglis warten, dann ist es wieder mal Zeit für den allseits bekannten Motivationsspruch: „Fasnaaaacht luschtiiiig!“.

Knapp verpasst ist auch daneben

Ganz spannend für den Tambi ist auch immer wieder die Disziplin bezüglich Umzugstart und pünktliches Erscheinen. Am Nachtumzug in Winterthur ist Tambi Pfnueli schon einmal mit einem Paukisten und einem einzigen Posaunisten losgelaufen – der Rest der Truppe ist während des Umzugs Stück für Stück dazugestoßen oder hat wenigstens artig aus einem Restaurant gewinkt, als wir vorbeigezogen sind. Als wir in Rheinfelden den Anschluss an die vordere Gruppe verloren haben und an einer Wegkreuzung nicht mehr wussten, ob wir nun rechts oder links gehen müssen, hat obgenannter Kapellmeister kurzerhand entschieden, den Mittelweg zu nehmen, welcher direkt in eine gemütliche Beiz führte. Was mit den Gruppen hinter uns passierte, ist bis heute nicht geklärt.

Das rote Licht

Während einigen Jahren hat das legendäre „Trio Grande“ jeweils einen kleinen Führer erstellt, welcher eine Zusammenstellung von „Etablissements der gehobenen Klasse“ bot, die bei Auswärtsauftritten auf unserem Heimweg lagen. Lange haben wir uns offiziell gesträubt, bei diesen Restaurants mit vornehmlich roter Beleuchtung eine Rast einzulegen. Auf der Rückfahrt von einem Engagement aus der Ostschweiz allerdings wurden wir schwach und unser erfahrener Chauffeur Chaschpi „Eselberger“ Küttel fuhr die ganz Horde zu einem gottverlassenen Schuppen, irgendwo auf einem abgelegenen Hügel, wo sich die wenigen Lokalbesucher plötzlich die Augen rieben, als 40 angeheiterte Guggenmusikanten den gediegenen Abend mit ihrer Anwesenheit versüßten. Die Zeit verging wie im Fluge und wir genossen teures Bier und osteuropäische Augenweiden. Der Schreck sass dann allerdings tief, als wir beim Verlassen des Lokals feststellen mussten, dass in der Zwischenzeit rund 30cm Neuschnee gefallen waren und unser heillos im weissen Pulver versunken war. Mit vereinten Kräften und der gütigen Mithilfe konnten wir unser Gefährt dann mit viel Mühe wieder befreien. Tja, Gott straft sofort und Frau Holle steht wohl auch noch auf seiner Gehaltsliste.

Ein Bus voller Narren

Die Carfahrten sind sowieso immer ein Erlebnis der Extraklasse und der Chauffeur muss sich manchmal vorkommen, als wäre er mit einer Meute Schwererziehbarer unterwegs. Tja, das Trinkgeld muss hart verdient werden! Der Flur ist zugepflastert mit einem Dutzend Harassen Eichhof Pony, aus den Lautsprechern dröhnt der hausgemachte „Schwierig Mix“ mit den alljährlichen „Verbrechen auf Schallplatte“ und auf Sitz 1B schenkt Röli traditioneller Weise Prosecco aus. Jeder hat seinen Platz – auch Fische sind standorttreu! Irgendwann versucht dann der Tourguide und/oder der Tambi mittels Mikrophon eine Durchsage mit den Terminen zu machen, welche meist von lauten Zwischenrufen unterbrochen wird und im allgemeinen Gelächter sowieso untergeht – was sich dann eben beispielsweise auf den gemeinsamen Umzugsstart negativ auswirken kann. Den einen ist’s im Bus zu heiss: „Hör emal uf heize, Eselbärger!“, und die anderen verlangen schon nach 10km den ersten Brunzhalt. Nur eine Frage ist nicht abschliessend geklärt und wird deshalb alljährlich aufs neue erörtert: „Chaschpi – darf me etz eigentlich im Bus rauche?“

Die fünfte Jahreszeit hat eigene Gesetze

So gäbe es noch viel zu Berichten und bei der ein oder anderen Geschichte ist es wohl besser, wenn sie noch ein wenig in unseren Memoiren schlummern darf. Man denke da an gesprengte Klaviere, zerborstene Flaschen Honigchrüter auf dem Autorücksitz eines Mitglieds, das Konfetti-Katapult oder den Kerzen-Verkaufsstand vor dem Damen WC am Pfarreiball. Während der fünften Jahreszeit geschehen eben Dinge, welche nicht immer ganz rational zu erklären sind. Denn wann, außer an der Fasnacht, kann der Mensch in der heutigen Leistungsgesellschaft noch „über die Stränge schlagen“ und sich außerhalb festgefahrener Konventionen und Zwänge ausleben? Immerhin unterziehen sich zahlreiche Mitglieder nach der Fasnacht einer 40-tägigen Fastenzeit, was den Umsatz von Eichhof Pony nach dem Aschermittwoch wohl ins Bodenlose fallen lässt.